Auf die Frage, ob es denn sehr schlimm war, antwortete Uwe dann wie folgt:
"Schlimm???
Nein im Ernst es war recht glatt und ab km 30 machte sich bei den
ohnehin schon geringen Temperaturen ein hässlicher Gegenwind breit.
Da wurde es dann anstrengend und auch noch kalt. Im Ziel waren
aber genug Addias Planen und warme Getränke vorrätig.
Eigentlich lief es recht gut. Als ich gegen 14:45 Uhr Beim
Hauptbahnhof aus dem Auto ausstieg zeigte sich das Wetter von seiner
besten Seite. Es schüttete wie aus Kannen. Also habe ich mir neben dem
Skate-Zeug auch noch eine alte Plane vom 33. Marathon (2006)
geschnappt und bin in den Startbereich geplanscht. Dort habe ich mir
die Skates angezogen und bin ein wenig auf der Duelles-Allee
eingerollt. Die Teerflicken auf dieser Straße gaben schon einen
kleinen Einblick auf das was mich später erwartete. Es war
spiegelglatt und kalt. Mit plane ließ es sich beim Einrollen/Aufwärmen
aushalten. Zum Glück ließ der Regen ca eine halbe Stunde vor dem Start
nach, so dass man nicht bereits im Startbereich völlig ausgekühlt war.
Nachdem einem Geburtstagskind, welches seinen dritten Marathon auf
Skates absolvierte zu 80. Geburtstag gratuliert worden war ging es so
langsam los. Ich hatte mich mit niemanden verabredet, so dass ich das
erste Stück alleine gefahren bin. Immer auf einer Suche nach einer
Schlange, die meine Geschwindigkeit hatte. Die habe ich ca. bei km 15
gefunden. Allerdings war es ein Fehler mich der Schlange
anzuschließen. Es gab keine Führungswechsel, der Windschatten wurde
nicht richtig ausgenutzt, da man sich nicht anfasste und das Tempo war
ungleichmäßig mal schnell und mal langsam. Entweder versuchte man
hechelnd den Anschluss zu finden oder man war zu schnell und musste
Abbremsen um nicht auf den Vordermann aufzufahren. Leider habe ich
erst nach km 21 den Entschluss gefasst die Schlange zu verlassen. Ich
hätte es eher tun sollen. So hatte ich mich schon zur Hälfte mehr
verausgabt als nötig gewesen wäre. Den Rest der Strecke bin ich dann
alleine gefahren. Erstaunlich gut kam ich über mein Hassstück die
laaaaange leichte Steigung am Wilden Eber. Es war nicht so schlimm
wie sonst. Sollte sich mein Lauftraining tatsächlich ausgezahlt haben?
Teilweise wurde die Strecke nur halbseitig gesperrt und der Verkehr
auf der Gegenseite weitergeführt. An einer Stelle Brüllte irgendsoein
Prolet aus seinem A8 "Verpisst Euch". Ich habe ihm freundlich
zugewinkt und geantwortet "Das versuche ich ja so schnell es geht" Der
KKerl hat den Witz nicht verstanden. Wahrscheinlich war er humorlos.
Besser waren die übrigen Zuschauer an der Strecke. Gemessen an dem
Dauerregen, der mal mehr und mal weniger fiel, waren viele Menschen
gut gelaunt an die Strecke gekommen. Auf der langen Geraden, die m.E.
in Richtung Schlosstraße führt, wummerten wie jedes Jahr vom Balkon
des zweiten Stockes die Bässe und es wurde wirklich jedem Skater
zugejubelt. Man müsste den Leuten mal sagen, dass sie sehr motivieren.
Auf der Lutherstraße in Richtung Urania wurde es dann schon recht
schwer. Zumal der Gegenwind direkt nach der Wasserstelle und
insbesondere zwischen dem Hotel Berlin, Berlin und der Abzweigung der
Strecke am KPMG-Gebäude noch einmal zeigt was er kann. Dazu kam
noch, dass die Strecke ein wenig bergauf geht. Auf der Potsdamer
Straße und dem Potsdamer Platz waren verhältnismäßig wenige Zuschauer
versammelt und ich war froh, dass die Strecke - nicht wie beim
Halbmarathon - einen Knick in die Stresemannstraße macht sondern
direkt geradeaus die Leipziger Straße entlang ging. Nach der Abweigung
Charlottenstraße wurde es dann ein wenig ungemütlich. Es war plötzlich
voll und der Straßenbelag ist an dieser Stelle extrem schlecht (rauh
mit Spurrillen). Die Schlechte Straße ist ja eigentlich kein Problem,
wenn man nicht schon 40 km in den Beinen hat. So aber fehlten ein
wenig die Reserven. Aber Zähne zusammengebissen und weiter. Noch vier
Kurven auf dieser Strecke. Und dann war ich auf den Linden. An den
Seiten standen trotz des Regens viele und soweit ich es mitbekommen
habe gut gelaunte Menschen, die einen anfeuerten. In der Ferne war der
Erdinger- Bogen und ein Stück dahinter das Brandenburger Tor zu sehen.
An die Strecke bis zum Tor erinnere ich mich nicht. Plötzlich war ich
durch das Tor durch. Aber das war noch nicht das Ziel noch ca. 300
m bis zum Ziel. Vor mir sah ich die Tribünen. Den Jubel der Menschen,
die wummernde Musik bekam ich nur am Rande mit.
Und dann war ich durch. Es war geschafft. Es war plötzlich wieder
kalt, mir taten die Beine weh aber ich war im Ziel. Jetzt bloß
aufpassen dass ich keinen von den Leuten umfahre, die die Medallien
verteilen und dann zu den Planen. Aufwärmen. im Zielbereich habe ich
alles in mich hineingekippt woran ich vorbeigekommen bin.
Zwischendurch noch eine Banane ohne kauen heruntergewürgt. Dann kamen
schon die Klamottenzelte. Ich habe bloß die Plane ein wenig zur Seite
geschoben, damit die Jungs und Mädels meine Startnummer sehen konnten.
So langsam kam ich wieder runter. Mit einigen Skate-Freunden war ein
Treffpunkt ausgemacht worden. Natürlich vor dem Erdinger-Stand. Dort
haben wir noch die Zeiten ausgetauscht und ein wenig gequasselt. Lange
war es nicht, denn die Kälte kroch so langsam die nassen Klamotten
rauf. Also raus aus den nassen Klamotten und rein in den trockenen
Martini. Naja fürs erste mussten trockene Sachen ausreichen ... und es
regnete immer noch. Ein Däne wollte sich fast wegwerfen, als ich meine
Socken auszog und auswrang. Und dann heißt es Skaten sei eine
Fun-Sportart.
Fazit: Beim nächsten mal bin ich wieder dabei.
Herrlich war dann das lange heiße Bad nach dem Marathon.
Insgesamt bin ich recht zufrieden. 2:05:27 Netto-Zeit ist zwar ca. fünf
Minuten langsamer als letztes Jahr, aber gemessen an den Bedingungen
kann man wirklich nicht meckern (wie der Berliner sagt)."
Na dann: