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Eine Lokomotive zum Schluß . . . Oberland-Halbmarathon 2008 am 13.9.2008
    Der Lauf ist irgendwie total verrückt gewesen.

    Nach dem wie immer zu kurz gekommenen Training der letzten Wochen wollte ich eine lockere km-Zeit von 4:55 angehen, nur ganz vielleicht 5 Sek. schneller. Zielzeit irgendwo bei 1:42 Std. Mein Eindruck war der, dass ich derzeit nur mit größerer Mühe einen Schnitt von 4:45 über eine Strecke von 10 km oder etwas mehr halten kann und ich wollte in jedem Fall einen Einbruch vermeiden. Der Lauf sollte ja als Standortbestimmung für den München-Marathon einen Monat später dienen und nicht als Bestzeitenjagd.

    Die Anfahrt nach Wolfratshausen, wo der Lauf in diesem Jahr gestartet wurde (im jährlichen Wechsel mit Geretsried) war problemlos - waren ja nur 25 Minuten von Zuhause - und ein Parkplatz on Start/Zielnähe war ebenfalls schnell gefunden. Die Startnummernausgabe war perfekt organisiert, so dass ich - was bisher fast noch nie vorgekommen ist - eine knappe Stunde vor dem Start schon fertig war. Allerdings war es für die Jahreszeit eher kühl, obwohl die Sonne schien und der Start, eher ungewöhnlich, um 16.00 Uhr nachmittags war. Wie immer herrschte nervöse Betriebsamkeit bei den Läufern, es roch nach Muskelfluid, das einen garantiert schneller macht und in Kleingruppen wurde (wahrscheinlich zum x-ten Mal) die beste Renntaktik besprochen.

    Nach ausgiebigem Dehnen habe ich mich knapp 2 km warm gelaufen - habe dabei zufällig das unscheinbare Haus "unseres Stoibers" entdeckt - und bin dabei ganz locker, ohne auf die Uhr zu achten, einen Schnitt von 4:50 gelaufen. Was sollte das, geht die Tempojagd etwa schon wieder los?

    Dann, wie immer, das Problem der richtigen Position in der Startaufstellung. Ich habe es schon ein paar Mal erlebt, dass ich auf den ersten Kilometern haufenweise langsamere Läufer überholt habe, weil entweder ich zu weit hinten oder die anderen zu weit vorne in der Aufstellung standen. Auch auf einer zu Beginn breiten Laufstrecke ist das Überholen und Slalomlaufen nicht unbedingt toll, denn man muss sich ziemlich konzentrieren, kommt garantiert nicht in seinen Laufrhythmus und außerdem nervt es auch irgendwie. Ein unverzeihlicher Fehler kann es aber auch sein, das ist mir Ende Juni beim Münchner Stadtlauf passiert, sich zu weit vorne aufzustellen, wo Läufer einer anderen Leistungsklasse stehen. Es kann sich nämlich bitter rächen, wenn man sich von den besseren Läufern mitziehen lässt - denn wer will schon gerne vom Start weg nach hinten "durchgereicht" werden - und auch nur die ersten 10 km mit 10 oder 15 sec./km zu schnell angeht. Diese Zeit bekommt man in der zweiten Rennhälfte garantiert doppelt und dreifach draufgeschlagen. Mit Zielzeiten beschilderte Blocks in der Startaufstellung gab es nicht. Ich versuchte also, mir anhand von Figur, Ausrüstung und Vorstartgerede einen Eindruck der Mitläufer zu verschaffen und mich dann richtig aufzustellen; so stand ich dann bei einer eher schmalen Aufstellung auf der Altstadtstrasse ca. 15-20 Meter hinter der Startlinie und hatte gefühlt ca. 150 Läufer vor mir. Hat letztlich ganz gut geklappt, denn am Schluß war ich der 108. von insgesamt 550 Läufer/innen.

    Wummernde Powermusik, ein paar Sprüche der Moderatoren, Countdown und dann: Startschuß. Wenige Schritte gehen, ab der Startlinie mit den Zeitnahmematten konnte ich dann aber schon laufen. Auf den ersten paar hundert Metern - wo schon wieder einige Wilde über die Fußwege nach vorne gestürmt sins, als wäre das Ziel unmittelbar in Sichtweite - habe ich mir immer wieder vorgesagt "nicht zu schnell losgehen" und bin bewusst mit angezogener Handbremse losgelaufen, trotzdem war der erste km schon nach 4:43 vorbei. Also: Stefan, du bist viel zu schnell, lässt dich von den Besseren mitziehen, Du musst sofort Tempo rausnehmen. Zweiter km dann 4:48; na also, klappt doch. Dann hatet sich das Feld schon etwas auseinander gezogen, man konnte ziemlich frei laufen und es ging auf eine 5 km lange sehr gerade Strecke, wo ich einen nach dem anderen überholt habe. Irgendwie ist das in mir drin, dass ich Läufer, die vor mir laufen, „einsammeln“ möchte. Die Zeiten bei dieser Jagd haben sich - ohne dass es mir schwer vorkam - dann schon auf im Nachhinein ziemlich brutale 4:32 bis 4:37 pro km eingependelt. Das lag dann aber schon deutlich unter meinem anvisierten Schnitt.

    Dann habe ich zu rechnen begonnen: Ein 5-Minuten-Schnitt bedeutet am Schluß 1:45 Std. Wenn ich nun jeden km 20 Sekunden schneller bin, macht das bei drei km eine Minute und 21 km sieben Minuten, also 1:38 Std. am Ende. Das wäre ja supergut! Und es lief weiter bestens, ohne dass ich das Gefühl hatte, zu überpacen. Bei km 11 überholte ich dann einen Läufer und hatte plötzlich eine Lücke von ca. 100 Meter vor mir, vorne war eine Gruppe von mehreren Läufern zu sehen. Das würde eine Zeit dauern, bis ich das Loch zugelaufen hatte und das tat es auch. Erst bei km 16 - nur ja nicht zu schnell laufen - hatte ich den letzten der Gruppe erreicht und (ich hatte ja Zeit) errechnet, dass da vielleicht noch was möglich wäre in Richtung Bestzeit, da sich die Zeiten mittlerweile eher bei 4:32 einpendelten. Erst einmal habe ich mich an den letzten Läufer drangehängt, um etwas auszuruhen, habe aber gemerkt, dass dieser von der Gruppe abreißen lässt. Das war der Zeitpunkt, wo wir an einer Verpflegungsstelle ankamen, wo gerade Highway to Hell über die Anlage lief. Das war das richtige Startzeichen für einen wahnsinnigen Schlussteil des Laufes.

    Von km 16-19 habe ich dann die gesamte schon etwas auseinandergezogene Gruppe überholt und war dann wieder allein mit einer größeren Lücke nach vorne, von der ich dachte, ich könnte sie auf den letzten 2-3 km nicht zulaufen. Dann aber kam plötzlich ein Läufer von hinten, der mich mit einem nur etwas höheren Tempo überholte und ich dachte: noch 2 km, verdammt, heute geht was, häng dich dran. Getan und dann ein 2 km langer Schlußspurt im Schlepptau mit Zeiten von 4:15 (km 20) und 3:55 (km 21), aber der Typ wollte seinen Platz nicht mehr hergeben und ich konnte dran bleiben. Alleine hätte ich diesen Nachbrenner nie zünden können, ich glaube, ich habe alle 100 Meter auf meinen Garmin geschaut, um mich zu vergewissern, wie die noch zu laufende Strecke weniger wird.

    Gemeinsam haben wir so noch mehrere Läufer überholt und ich bin dann mit neuer PB von 1:35:06 ins Ziel. Austrudeln und dann: saufen, saufen, saufen. Mann, hatte ich einen Durst.

    Ich kann's kaum glauben ...

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    http://www.mein-recht-in-berlin.de