Für Uwe war es ja schon lange klar, der 2. AirportRun rund um den Flughafen Schönefeld ist ein fester Termin auf seinem Laufplan. Die anderen Rollkommandanten waren davon noch nicht so ganz überzeugt. Eingedenk Ihrer Erfahrung mit dem letzten Runners-high nach dem Halbmarathon in Berlin hat sich Grit dann doch entschlossen, sich für dieses Ereignis zu melden und hat auch fleißig darauf hintrainiert.

Schon während des Trainings musste sie feststellen, dass ihre Rundenzeiten immer langsamer wurden. Mist da läuft wohl irgendetwas falsch. Vielleicht sogar zuviel des Guten. Schließlich sind wir nur Breitensportler. Am Wettkamfptag selbst fühlt sie sich entsprechend schlecht vorbereitet. Auch Ihr Bauch macht ihr zu schaffen. Was solls schnell noch ein zwei Immodium eingeworfen und ab zur Rennstrecke.

Uwe dagegen hat sich an die vorgenommenen 3 Trainingseinheiten pro Woche gehalten. Er tritt frisch gestählt und - wie eigentlich immer -bestgelaunt an.

Doch die beiden Läufer finden sich am Start einfach nicht im Gewühl.

Mit dem Bus geht es zum Startpunkt. Aufgeregt stehen die Läufer und vor allem die Läuferinnen vor den Pipi-Boxen Schlange. Egal, wie viele Häuschen hier aufgebaut werden, es sind nie genug, weil alle Teilnehmer eine viertel Stunde vor dem Start noch einmal rennen müssen.

Doch irgendwie finden alle Athleten und Breitensportler zum Start wo dann wenige Minuten vor dem Start unvermeidlich die Stimme von Joey Tempest seinen "final Countdown" von der Konserve leiert. Auf die Aufregung ist das aber immer wieder gut. Dann der Start. Etwa 1700 Läufer und Läuferinnen setzen sich zu mittlerweile gruseliger Techno-Mucke in Bewegung. Grit findet, dass "highway to hell" hier wesentlich besser gepasst hätte.

Wieder werden brav auf der Fußmatte der Startlinie die Uhren genullt und der Lauf beginnt. Grit strampelt nun allein vom Parkplatz durch die Autobahnnahe Siedlung und sieht Scharen von Läufern an sich vorbeiziehen. Einige davon wird sie wiedersehen, denkt sie sich.

Plötzlich kracht ihr Uwes Pranke auf die Schulter. "Da bist Du ja!" Kurz hinter Kilometer eins treffen sich die Rollkommandanten also doch noch. Uwe kam mit einem gewagten Spurt aus den hinteren Starterreihen. Es werden kurz die Befindlichkeiten ausgetauscht. Grit heult ein bisschen rum, von wegen fühl mich nicht gut und Uwe zollt ihr das verdiente Mitleid. Er selbst ist offensichtlich in der Stimmung Bäume auszureißen.

Kurzer Zeitvergleich: Grit deutet an, bei km 1 bereits auf 6 Min 10 gewesen zu sein. Das ist deutlich zu schnell. Knapp unter 7 Minuten war der Kurs. Also Tempo runter und locker bleiben. Auf den kommenden Kilometern turnen noch immer viele Läufer an uns vorbei. Das tut unserer Laune aber keinen Abbruch. Uwe grüßt fröhlich die Zuschauer und animiert sie zu etwas mehr Applaus, versucht ein Bier zu schnorren - erfolglos. Auch unter den Mitläufern verteilt er aufmunternde Worte. Uns gehts einfach gut!

Das erst Drittel ist fast geschafft. Langsam bekommen wir den frischen Wind des Tages auch mal von vorn zu spüren. Das kühlt ein wenig, macht uns komischerweise aber deutlich weniger aus, als beim Skaten im letzten Jahr. Langsam haben sich Läufergruppen gebildet. Von einer Läuferin mit RBB-Laufbewegungs-T-Shirt werden wir nach unserem Zeitziel gefragt. Sie will sich uns anschließen. 2 km weiter haben wir sie dann fast unmerklich verloren. Schade!

Dafür hält sich zunächst wortlos eine Lübeckerin an uns. Plötzlich fragt sie: "Sind wir bald da!" und das Eis ist gebrochen. Wir erzählen ihr etwas von noch eine Kurve und dann kann sie das Ziel schon sehen und kommen so ins Geplaudere. Bei der Gelegenheit gestand sie uns, dass es ihr erster Halbmarathon sei.

Ein Drittel der Strecke ist geschafft. Die Zwischenzeit zeigt an: deutlich zu schnell, aber irgendwie läuft es ganz gut. Uwe meinte auf den letzten Kilometern schon etwa 12 mal, dass wir eigentlich viel zu schnell sind, aber was solls, es fühlt sich gut an und wir traben weiter.

Bei Kilometer 10 gehen die Diskussionen in unserem Trio los. Umkehren oder weiterlaufen. Blöd nur, dass der Weg zurück genauso lang ist und hier nirgends eine U-Bahn fährt. Tja damit steht die Antwort auf die Frage ja eigentlich schon fest...

Während Uwe langsam zur Höchstform aufläuft und mit Publikum und Mitläufern gnadenlos seine Scherze macht, wird Grit langsam ruhig. Ihr Bauch macht ihr zu schaffen. Einen Kilometer weiter verzieht sie sich zu einer kleinen Pause in den Wald- Was hätten wir getan, wenn wir durch die Stadt laufen müssten? Uwe und die Lübeckerin haben aber einen Gang zurück geschaltet. Grit rast an den bereits überholten Mitläufern vorbei und sammelt die beiden einige hundert Meter weiter wieder ein.

Jetzt gehts besser! Gleich wird sie von Uwe über die Ziele aufgeklärt. Also da vorn läuft ein weisshaariger Mann und zwei Mädels mit einem AVON-Lauf-T-Shirt kurz AVON eins und AVON zwei. Die wollen wir noch kriegen. Wir sind hinter Kilometer 12 als die Aufholjagd beginnt. Doch die Mädels sind zäh. Wenn wir ein paar Meter auf die Eine gewinnen reißt sich die Andere zusammen und macht wieder ein paar Meter gut. Der weißhaarige Herr zieht unbeirrt seine Bahn. Immer in Sichtweite, aber einfach nicht zu kriegen.

Statt uns an denen festzubeißen genießen wir erst mal die Laufstrecke. Durch Brandenburgs Alleen, leicht geschwungene Straßen links und rechts die Felder und vorn... der Wind. Hat auch was Gutes, da wird uns wenigstens nicht so heiß. Die Sonne steht schon ziemlich niedrig und kommt jetzt direkt von vorn.

Bei Kilometer 16 in Selchow ist wieder ein Erfrischungspunkt. Wir sammeln Wasser und dieses süße Zeugs ein und kippen es schnell in uns rein. Prinzipiell gehts uns noch gut. Die AVON-Girls walken jetzt beide. Das ist unsere Chance. Ja wir haben sie und es sind nur noch 5 km bis ins Ziel.

Die Strecke führt jetzt nach Waßmannsdorf. Hier hat die Gemeinde eine besonders große Jubeltruppe zusammengestellt. Neben dem letzten Erfrischungspunkt steht das halbe Dorf und jubelt den ausgezehrten Laufsportlern zu. Sie müssen schon eine ganze Weile stehen doch die Stimmung ist ungebrochen. Artig bedanken wir uns bei diesem Super-Publikum.

Das letzte Becherchen Wasser wird dann doch im vorbeigehen getrunken. Der weißhaarige Mann vor uns sieht das genauso. Doch nun ist unsere Chance gekommen. Etwas früher setzen wir unseren Lauf fort und... haben ihn. Es beginnt der längste Kilometer der ganzen Strecke, der 19. Grit wird vom Hammer getroffen und kriegt die Füße kaum noch vom Boden. Uwe ist noch frischer und will sie aufmuntern. "Nein, wir lassen hier keinen zurück!" Doch Grit erkennt, dass sie verloren hat: "Lauf, rette Dich, lass mich zurück, Du kannst es schaffen." Zwei Kilometer vor dem Ziel läuft Uwe dann auch noch sein Rennen zu Ende. Die Lübeckerin hat uns schon am letzten Erfrischungspunkt stehen lassen und kann einer fantastischen Zeit entgegen blicken. Sie zeigte uns was wahre Kraft ist.

Auf den letzten Kilometern werden die Platzierungen noch einmal kräftig durcheinander gewürfelt. Einige traben ans uns vorbei, als wären sie gerade erst losgelaufen. Andere spazieren Richtung Ziel und werden noch von uns kassiert. Auch der weißhaarige Mann lässt Grit wieder stehen.

Auf den letzten paar Metern trollen sich ein paar Jungs mit Gepäck in Richtung Flughafen. Einer beschwert sich, dass der Gurt seiner Tasche so sehr auf die Schulter drücken würde... Junge, Du weißt nicht, was Schmerzen sind ... kurz darauf sieht er ein: "Es könnte ja schlimmer kommen... 20 km laufen zum Beispiel!" Na, bitte!

Doch wir haben es bis ins Ziel geschafft. Uwe mit einer sagenhaften Zeit, die mehr als 15 Minuten unter seiner letzten Halbmarathon-Zeit lag. Grit war immerhin 25 Sekunden schneller ... und das trotz der Heulerei.

Allen, die mit uns durchgehalten haben, jedenfalls unseren herzlichsten Glückwunsch.

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